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Ein Thema - Drei Meinungen

Was wir über das Spenden denken…

Es gibt so viele Möglichkeiten, mit den eigenen Mitteln Gutes zu tun, und seien sie auch noch so begrenzt.

Frauke

Für mich ist der Gang in die Stadt zu Fuß innerhalb von zehn Minuten machbar. Durch den Bahnhof sogar in fünf Minuten. Und trotzdem wähle ich manchmal den längeren Weg. Weil im Bahnhof oft nette Leute sind, die manchmal hartnäckig bis nervig sein können. Von Unicef, Ärzte ohne Grenzen oder den Maltesern. Jeder will erstmal nur zehn Minuten meiner Zeit und am Ende des Gesprächs zehn Prozent meines Geldes.

Leider bin ich davon so genervt, dass ich eben oft den längeren Weg wähle. Nicht, weil ich mit hartnäckigen Leuten nicht umgehen kann, sondern wegen meines schlechten Gewissens, das da immer hoch kommt. Aber vom Spenden sollte man doch nicht genervt sein.

Wer Geld hat, sollte auch geben.

„Ich habe kein Geld“, könnte der erste Gedanke sein, der uns dazu einfällt.  Komisch, ich kenne niemanden, der sagt, „ich habe zuviel Geld“. Eher sind es diese Aussagen: „Das Geld reicht hinten und vorne nicht“, „es ist noch so viel Monat am Ende des Geldes“. Hier kann ich Euch den Artikel über Finanzbücher von meiner Freundin nur empfehlen. 

Haben wir wirklich kein Geld, oder wollen wir es nicht spenden? Die Aussage „kein Geld“ ist eine schlechte Ausrede, denn es gibt viele andere Möglichkeiten zu spenden, auch Kleinstbeträge. In meinem Supermarkt kann man zum Beispiel seinen Pfandbon spenden, oder an der Kasse ein Produkt für das Sozialkaufhaus mitkaufen. Das teuerste Produkt ist der Kaffee für 4,99 Euro. Es gibt dort auch Produkte um die ein bis zwei Euro. 

Geld kann helfen.

Bleiben wir bei den etwas größeren Beträgen. Mit unserer Spende können wir wirklich helfen. Sei es für ein Patenkind in einem Land, wo diesem von unserer Spende die Schulbildung ermöglicht wird. Oder für ein Tier, dem das Ende seines Lebens auf einem Gnadenhof ermöglicht wird. Oder an den Alpenverein, den Naturschutzbund, …

Ich habe im Vorfeld geschaut, was für uns in Frage kommen könnte, achtet auf das Spenden-Gütesiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Und findet Euer Herzensprojekt. 

Zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen kam mein Sohn zu mir und zitierte aus einer Werbung (ich habe ihn unbeaufsichtigt TV schauen lassen, weil ich noch was arbeiten musste): „Mama, für nur fünf Euro im Monat können wir Menschen retten.“ Gemeinsam haben wir uns für ein Projekt entschieden. Es macht viel mehr mit einem, als nur Geld anonym abzugeben. Uns verbindet es. Es ist unser Projekt. Wir freuen uns gemeinsam daran, etwas in der Welt „besser“ zu machen. Es lässt unser Herz wachsen. Und es ist ein schönes Gefühl. 

Spenden ohne Geld auszugeben

Es gibt auch Möglichkeiten zu spenden, ohne Geld auszugeben. Ihr könnt Euer Blut oder Eure Organe spenden. Letzteres natürlich nicht zu Lebzeiten. Aber im Ernst, beschäftigt Euch bitte mal mit dem Thema Organspende.

Organspendeausweise aufgefächert auf einem Tisch

Wer gerade umzieht oder so richtig ausmistet, stellt fest, was wir nicht (ge)brauchen oder doppelt haben. Decken oder Handtücher nimmt gerne das Tierheim. Sozialkaufhäuser nehmen gut erhaltene Kleidung, Spielzeug von euren Kindern, sogar gebrauchte Schulranzen und Schuhe. Fragt doch einfach mal an, was gebraucht wird.

Unsere wertvolle Zeit spenden

Ihr könnt Eure Zeit spenden. Zuletzt wurden Näherinnen für Mund-Nasen-Masken gesucht. Die Nachbarin, die zur Risikogruppe gehört, freut sich bestimmt, wenn du ihren Einkauf für sie erledigst. Oder kauft bienenfreundliche Blumen, wenn Ihr euren Balkon neu bepflanzt. Bei manchen Sorten spendet man gleich beim Einkauf mit. 

Bunte Hände recken sich in die Höhe, Text „Volunteer“

Spendet Euer Wissen. Mentoring, Nachhilfe, die Freundin, die Hilfe bei der Steuererklärung braucht (wo man übrigens Geldspenden absetzen kann).  Geht lächelnd an den Leuten im Bahnhof vorbei. Nicht mit schlechtem Gewissen, sondern mit einem großen Herzen, weil Ihr mit euren Mitteln und Möglichkeiten Gutes tut.

Sylvia

Ich glaube, dass wir alle drei und viele von euch ein sehr privilegiertes Leben führen. Aber dieses Leben können nicht alle führen. Ich bin froh, dass es viele wohltätige, gemeinnützige Organisationen gibt, die sich um humanitäre Themen, Umweltschutz und  Tierschutz kümmern. Diese Organisationen haben immer zu wenig Geld, um alle Projekte, die möglich wären, umzusetzen. Und sie haben häufig wirklich tolle Ideen, wie wir unsere Welt ein bisschen besser machen können. Mit einer Geldspende können wir deren Arbeit ermöglichen oder zumindest unterstützen. 

Baum mit Händen als Blättern auf Leinen-Hintergrund

Manche Stimmen sagen, dass mit der Steuer doch schon genug Wohltätigkeit und sozialer Ausgleich passiert. Ich denke, dass wir mit Spenden aber das Geld genau in die Projekte fließen lassen können, die wir unterstützen möchten. 

Warum ist Spenden auch gut für die Spender?

Ich habe, wie ihr wisst, einige Bücher zum Vermögensaufbau und zu Finanzen gelesen. Alle empfehlen ganz klar, dass wir nicht nur unser Geld auf ein Häufchen legen sollten, sondern auch Geld spenden sollen. Warum ist das wichtig? 

„Glücklich ist derjenige, der gelernt hat, dass der sicherste Weg, um Geld zu bekommen, der ist, zuerst einmal Geld zu geben“ (Napoleon Hill)

Ganz ehrlich? Die Erklärungen finde ich immer ein bisschen dünn. Vielleicht sammeln wir mit dem Spenden Karma-Punkte, die dann wie selbstverständlich in anderer Form an uns zurückfließen. Interessant ist auch, dass eigentlich in jeder Religion die Spende an Bedürftige immer ein wichtiges Gebot ist. 

Wie setze ich das Wollen ins Tun um?

Es gibt einen Unterschied zwischen „etwas wollen“ und „die Absicht haben“. Etwas wollen wird erstmal nur so in den Raum gestellt. „Ich möchte sportlich sein.“ „Ich möchte mich gesund ernähren.“ „Ich will regelmäßig spenden.“ Das klingt ja schonmal ganz gut, aber bei vielen Menschen reicht das Wollen noch nicht. Denn mit einer Chipstüte auf der Couch wird dieses Wollen leider noch keine Realität. Anders ist es, wenn ich die Absicht habe, etwas zu tun. Denn diese beinhaltet, dass ich das auch wirklich mache und umsetze. 

In Zeiten, in denen ich meine Finanzen richtig sortiert und im Griff hatte, habe ich tatsächlich auch monatlich feste Beträge gespendet. Ich unterstütze gerne lokale, humanitäre Projekte. Manchmal die großen Organisationen, manchmal eher an ein kleineres Projekt. Ich nutze gerne die Möglichkeit zu streuen, so dass es keine Organisation gibt, die ich dauerhaft unterstütze. Das bedeutet im Moment aber auch, dass eben kein fester Dauerauftrag eingerichtet ist und es leider oft beim Wollen bleibt.   

Kleinvieh macht auch Mist, gerade beim Spenden.

Übrigens bin ich fest davon überzeugt, dass jeder spenden kann. Wie sagte es die Fernsehlotterie damals? „Mit fünf Mark sind sie dabei.“ Wir können bereits kleine Beträge spenden, und ich finde es auch gut, Sachspenden wie Kleidung abzugeben. Zeit kann auch eine wichtige Spende sein. In Dortmund gibt es eine Freiwilligen-Agentur, bei der man sich sogar beraten lassen kann, wenn man auf der Suche nach einem Ehrenamt ist. Tolle Sache.

Wortwolke mit vielen englischen Begriffen für Freiwilligkeit, Helfen und so weiter

Bernadette

Lange hab ich darüber nachgedacht, dass ich mal mehr spenden müsste. Die letzte nennenswerte Spende war bei meiner Hochzeit, und die ist lange her! Inzwischen bin ich schon, seit Kurzem, von meinem Mann getrennt…

Etwas zurück geben…

Es ist das Gefühl, mal was an diejenigen geben zu müssen, die weniger haben und schlecht dran sind, vielleicht auf der Straße leben oder Flaschen sammeln. Oft habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich an Bettlern vorbei gehe, die am Mülleimer auf dem Westenhellweg auf dem Boden sitzen und betteln, während ich vielleicht mit einer Einkaufstasche mit Klamotten vorbei gehe oder anderem, vielleicht zu teurem, unnützem Zeug. Dinge, bei denen man eigentlich weiß, dass man das Geld hätte sinnvoller – oder gar nicht – ausgeben können. 

Schlafender Obdachloser am Wegesrand

Andererseits tue ich ja auch ordentlich was für mein Geld, bekomme es nicht geschenkt und muss überhaupt kein schlechtes Gewissen haben!

Das schlechte Gewissen beruhigen

Trotzdem führt das dann schon ab und an dazu, dass ich einem bettelnden Menschen mal etwas Geld gebe. Es zieht bei mir, wenn jemand mich direkt anspricht, auf nette Weise und unaufdringlich, und zum Beispiel konkret um Geld für eine Übernachtung oder ein bisschen was zu essen bittet. 

Spendenpost auf allen Kanälen

Vor Kurzem habe ich per Mail einen Spendenaufruf bekommen von meiner Bank, über betterplace.org für die Tafeln, zum Beispiel. Ich habe einen kleinen Betrag gespendet, der von der Bank auch noch verdoppelt wird, und ich muss sagen, es fühlt sich gut und richtig an.

Schwer kann es werden, wenn man die Qual der Wahl hat. Es gibt Spendenaufrufe in der Post, im Fernsehen, in der Zeitung, im Internet, in den Mails. Für Opfer von Naturkatastrophen, Kinder mit bestimmten Krankheiten, Waisen, Obdachlose, Hungernde, Tiere, saubere Ozeane und noch so vieles mehr… Da muss man das Passende für sich heraussuchen. Ein Mangel an Möglichkeiten besteht jedenfalls nicht!

Ist Spenden auch eigennützig?

Die Beschäftigung mit dem Thema hat mich aber auch zu der Frage geführt, ob es nicht wieder was Eigennütziges hat, wenn man das eigene gute Gefühl beim Spenden als Ziel hat!

Ist das legitim? Man kann doch ruhig beides im Sinn haben, oder? Einerseits das Gute, was man mit der Spende bewirkt, und andererseits auch das gute Gefühl, das sie auslöst. Was meint ihr dazu?

Ich mache das einfach mal häufiger, egal mit welchem Hintergedanken, es ist auf jeden Fall eine gute Sache!

Spenden abseits vom Geld

Und abseits vom Geld? Früher war ich häufiger Blut spenden. Ich habe die sehr nützliche Blutgruppe 0 negativ, da sollte ich wieder mal spenden gehen. Aktuell wird sogar wieder verstärkt und Blutspenden gebeten.

Medizinisches Personal mit Blut in Beuteln in den Händen

Ich bin auch Organspenderin, aus voller Überzeugung. Die Diskussion darüber, ob man sich lieber aktiv FÜR eine Organspende aussprechen müssen sollte oder lieber aktiv GEGEN die Organspende, fange ich hier lieber gar nicht erst an. Ich habe eine eindeutige Meinung dazu, und ich trage den Organspende-Ausweis weiter fleißig mit mir herum. Wer ihn auch haben oder sich zum Thema noch weiter informieren möchte, findet ihn hier.

Noch eine Überraschung für euch!

Damit wir nicht nur reden, spenden wir an die Deutsche Fernsehlotterie und haben damit gleichzeitig die Möglichkeit vielleicht eine Leserin zur Millionärin zu machen. Wir verlosen drei Lose.

Hinterlasst einen Kommentar und verratet uns, was ihr mit eurem Millionen-Gewinn machen würdet!

Teilnahmeschluss ist am 01.06.2020 um 19h, danach losen wir die Gewinner aus und werden sie hier auf dem Blog veröffentlichen. Viel Glück!

Fotos: pixabay

11 Antworten auf „Was wir über das Spenden denken…“

Toller Artikel, der jedem aufzeigt, dass man auch in kleinen Dingen spenden kann, um anderen damit zu helfen. Wir spenden beim Umzug mit nicht benötigten Dingen, die man „unbedingt haben musste“ und die doch nur rumliegen, mit zu klein gewordenen Kleidungsstücken, die kaum getragen wurden oder Spielsachen, aus denen man herausgewachsen ist und last but not least bin ich Organspenderin wenn es mal soweit ist. Und tja, was macht man mit 1 Million Euro? Ich denke, es gibt genug Stiftungen, die das Geld gut verwenden könnten. Kinder und Tiere wären bei mir am erster Stelle…

Danke für deinen Kommentar! Immer daran zu denken, woran jemand anders noch Freude haben könnte, auch wenn man ein Ding selbst nicht mehr braucht, ist immer sinnvoll. Im Grunde ist es mit den Organen ja genauso, wenn’s mal soweit ist. Ich bin auch aus Überzeugung Organspenderin!

Spenden hilft nicht nur anderen, sondern gibt Dir selbst auch ein gutes Gefühl…Teil eines anderen zu sein…
Toller Artikel…

..nicht nur spenden und verschenken, was man eh‘ nicht mehr braucht. Augen und Ohren fürs Umfeld öffnen und da helfen, wo es gebraucht wird. So mache ich das schon immer. Das kann Materielles und/oder Zeit sein. Immer mit Freude und das tut gut.

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