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Auf zum perfekten Ich

Ein „Nein“ kann so weh tun

Über das kleine Wort „Nein“
Was und warum es verletzend sein kann – und darüber, warum eben nicht. Und über eine Wunderliste – die einen neuen Namen sucht.

zwei Hälften eines Herz. Verbunden durch ein Pflaster.

Wie es von einer Bitte zu diesen Gedanken kam

Ich habe meine Freundinnen gebeten ein Schreiben für mich zu lesen, ob es verständlich ist und nicht zu emotional. Eine Antwort kam sofort und hat mir ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert.

Warum? Weil die Anmerkungen so wohlwollend waren. Sie hat genau erkannt, wie niederschmetternd ein korrigierter Aufsatz sein kann. Erinnern wir uns nicht alle an das schreckliche Gefühl, das Arbeitsheft aufzumachen, die Luft anzuhalten und zu schauen, wieviel rot diesmal am Rand steht?

eine Englisch-Arbeit mit viel Rotstift.
Fehlerkorrektur.

Zurückweisung und Ablehnung tun weh

Das kann die Paarbeziehung sein, die einfach nicht mehr funktioniert. Das können aber auch Freundschaften sein, die sich nicht weiterentwickeln wollen, oder in Ihrer Entwicklung weit auseinander gehen. Es kann aber auch die Deutscharbeit sein, für die man sich unendlich angestrengt hat, im Ergebnis aber eben nur ausreichend ist.

Unter Ablehnung und Zurückweisung kann man stark leiden. Und dem Gegenüber ist und kann es nicht bewusst sein, dass er ablehnend ist. Er oder sie wissen nicht, wie gut wir uns vorbereitet haben, wie sehr wir uns gefreut haben. Es sind vielleicht auch nur die Kleinigkeiten, die uns doch mehr unter die Haut gehen, als wir erwarten. Nach einer Trennung können es Freunde sein, die unbedacht deinen Ex-Partner einladen und nicht dich und dich damit verletzten. Oder die Freundin, die sich nicht die Zeit für ein Gespräch nehmen kann. Man bekommt den Eindruck, ignoriert zu werden. Auch das tut weh.

Eine Hand mit einem nach oben gestreckten Daumen. Daneben steht in bunten Buchstaben "like me!"

Doch warum tut Ablehnung so weh?

Evolutionsbedingt kamen Menschen besser zurecht, die in der Gruppe lebten und sich gut einbinden konnten. Wer Einzelgänger war, wurde schnell gefressen oder ist erfroren, weil er auf sich allein gestellt war und so nicht gut für sich sorgen konnte. Unser Gehirn hat sich an diese Anforderungen angepasst. Und in diesem Zusammenhang hat es nicht verlernt. Soziale Ausgrenzung tut uns immer noch weh. Und heute ohne Höhle und Säbelzahntiger ist da immer noch die Sehnsucht, von anderen anerkannt zu werden und in einer Gruppe integriert zu sein, ob Freunde oder Familie. Außerdem machen wir unser eigenes Selbstwertgefühl oft davon abhängig, wie wir auf andere wirken. Und wenn wir abgelehnt werden, lehnen wir uns in dem Moment selbst ab. Frauen leiden unter Zurückweisung stärker. Es kann daran liegen, dass sie eher dazu erzogen werden, für Harmonie zu sorgen. Sie verbinden ihr eigenes Wohlbefinden stärker mit der Anerkennung von andren.

Dazu kommt noch das Gefühl von Hilf- und Kontrolllosigkeit: wenn meine Freundin sagt, sie will sich keine Zeit nehmen, dann kann ich nichts machen. Wenn der Mann, den ich toll finde, mir nicht antwortet, dann kann ich nichts machen.

Glaub nicht alles was du denkst

Aber wir wissen gar nicht, ob es stimmt, dass die Freundin sich für mich keine Zeit nehmen will. Wir wissen doch selbst, warum wir es nicht schaffen, die SMS zu schreiben, die wir schon drei Tage vor uns herschieben. Weil wir erst noch Einkaufen müssen, Essen kochen und Hausaufgabenhilfe leisten müssen. (Mütter können nicht immer die Welt retten…)

Was können wir tun, wenn sich das doofe Gefühl ausbreitet?

Eine Frau, die in ein rotes Tagebuch etwas einträgt

Ich habe eine Wunderliste. Da steht was ich kann, wer ich bin, wofür ich stehe, auf was ich stolz bin und es stehen viele Komplimente drin, die ich bekommen habe. Von Freunden, Kollegen und von mir selbst. Über einige Komplimente habe ich mich wirklich gewundert. So habe ich mich nicht gesehen. So viel zum Thema Selbstwert 😊. Manchmal fühle ich mich so großartig, so unantastbar. So wie nach dem Schreiben, dass meine Freundin und ich fertig gestellt haben. Das hat nun auch einen festen Platz in meiner Wunderliste. Und das nächste „Nein“ prallt an mir ab, denn ich weiß, nicht meine Person ist gemeint, sondern die Aktion, der Tag oder eben die Herausforderung. Und die Wunderliste braucht unbedingt einen neuen Namen, denn ein Wunder ist es nicht, wie großartig wird sind.

Fotos: pixabay

3 Antworten auf „Ein „Nein“ kann so weh tun“

Toller Artikel!
Ich werde unbedingt sofort mit so einer Wunderliste beginnen 🙂 Ich finde den Namen übrigens sehr passend. Nicht, weil es ein Wunder ist, dass wir großartig sind, sondern weil es wunderbar ist, dass dass es uns gibt. Und diese Liste wirkt immer wieder das Wunder, dass wir uns dank unserer Gaben und Komplimente so wunderbar fühlen, wie wir uns immer fühlen sollten :).

Hier etwas für eure Wunderliste: Ihr schreibt gute Texte! Immer wieder inspirierend. Ihr seid echt ein Vorbild für mich und so produktiv, dass ich mit dem Lesen gar nicht nachkomme…

Mein blog – wenn man die Seite überhaupt so nennen kann – geht spätestens Ostern an den Start. Ich schicke euch dann den Link 🙂

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